Eiswein mit allem drum und
dran.
Eine Spezialität die jeder kennt und trotzdem
noch nicht in aller Munde war, ist der Eiswein.
Die meisten Weintrinker haben schon von der
Zubereitung gehört, für alle anderen hier ein Bericht vom Zittern und Bangen
dieser Besonderheit.
Zum ersten Mal stellt sich die Frage des
Eisweins bereits Ende Sommer. Dort unterscheiden wir die Weinberge, die früh
bzw. spät geerntet werden und ob sie im Ertrag reduziert werden oder nicht. Zu
diesem Zeitpunkt keimen die ersten Hoffnungssamen auf einen frostigen Winter.
Während der Weinlese muß der ausgewählte Weinberg vorgelesen werden, d.h. die
voll- oder überreifen Trauben erfahren eine gewöhnliche Verarbeitung zu Wein.
Der verbleibende Rest bekommt einen Schutz (Vogelnetze), damit die Vögel sich
nicht über diese Delikatesse her machen. Und dann beginnt ab Ende Oktober das
Warten, denn nun kommt das Wesentliche.
Was den
Eiswein zum Besonderen macht ist die Tatsache, dass die Trauben im gefrorenen
Zustand (-7°C) geherbstet (geerntet) und abgepresst werden müssen,

denn da
ist das Wasser in den Trauben gefroren. Somit wird nur das Konzentrat aus den
Trauben gepreßt. Sowohl der Zuckergehalt als auch der Extrakt und weitere
Inhaltsstoffe sind in extrem hohen Werten vorhanden.
Nachfolgend beschreiben wir chronologisch wie
kribbelig, aufregend und aufwändig es ist, bis solch ein großer Wein im Keller
liegt:
-
ca. 5. Oktober 2003 Ende der Weinlese (dieses
Jahr viel früher wie normal, durch den Jahrhundertsommer)
-
Ende Oktober erste Nachtfröste (-2°C)
-
Im November einige Male Fröste (bis – 5°C)
-
Montag 7.12. - 8.12. geplante Weinauslieferungstour
von Bötzingen über Furtwangen, Reutlingen, Augsburg, München, Starnberger See,
Kempten, Wangen i. A., Bodensee zurück nach Bötzingen
-
Sonntag 6.12. Wetterbericht kündigt Nachtfrost
bis –6°C an.
-
ERSTE ÜBERLEGUNGEN
UNSERERSEITS DIE WEINTOUR ZU VERSCHIEBEN.
-
Sonntag Nachmittag 1,5 Stunden auf der Suche
nach detaillierten Wettervoraussagen.
-
EIGENTLICH WAR FÜR DIESE
ZEIT ETWAS ANDERES GEPLANT.
-
Montag 7.12.
Dezember 03
-
4.00 Uhr Abfahrt nach Furtwangen.
-
DER TEMPERATURFÜHLER VOM
AUTO ZEIGT IM SCHWARZWALD –9°C AN.
-
Montag 11.00 Uhr wolkenloser kalter Montag,
der Wetterbericht kündigt –8°C für die kommende Nacht an.
-
ICH ÜBERLEGE OB ES EIN
FEHLER WAR DIESE FAHRT ANZUTRETEN UND WER JETZT ZUHAUSE DIE
TRAUBENPRESSE
RICHTEN KANN; FALLS ES JA DOCH………………………..
-
11.30 Uhr Telefongespräch mit einem guten
Kollegen, wie er die Wahrscheinlichkeit für Eisweinernte sieht. Alles sieht
danach aus….
-
12.30 Uhr fällt mein persönlicher Entschluß,
diese vielleicht einmalige Möglichkeit nicht zu verpassen
-
JETZT GEHT DIE GRÜBELEI
ERST RICHTIG LOS: BIS WOHIN KANN ICH FAHREN UM NOCH RECHTZEITIG NACH HAUSE ZU
KOMMEN: ALLE KUNDEN SIND INFORMIERT; WANN ICH BEI IHNEN DEN WEIN ANLIEFERE;
WAS PASSIERT MIT DER FAHRT MORGEN U.V.M.
-
Telefonat mit unserem Mitarbeiter (eigentlich
hat er heute Urlaub) ob er den Schlepper, die Presse und sonstiges Zubehör
richten kann.
-
DER TRAKTOR MUß IN DIE
WÄRME DAMIT ER AM MORGEN ANSPRINGT; DIE EIMER; ERNTEBEHÄLTER USW IN DIE KÄLTE
-
Ich entschließe mich bis München zu liefern,
und den Rest des Weines wieder mit nach Hause zu nehmen um ihn später ins
Allgäu zu bringen.
-
Esther muß mindestens 20 Leute anrufen, damit
wir für den nächsten Tag 10 Herbster zum schneiden haben
-
Die letzte Weinlieferung in München ist um
18.oo Uhr und danach geht es über Horb am Neckar – da steht ja noch mein
Autoanhänger – zurück nach Bötzingen.
-
22.30 Uhr Ankunft daheim
-
Überprüfung des Zubehörs (Scheren, Eimer usw.
damit es schnell losgehen kann)
-
22.50 Uhr schnapp ich mir noch zwei
Thermometer (einen elektronischen und zur Sicherheit noch einen mechanischen)
und hänge sie im Weinberg auf
-
23.45 Uhr ab ins Bett
-
Dienstag 8. Dezember 03
-
4.30 Uhr Wecker klingelt
-

-
5.00 Uhr Thermometer in den Weinbergen zeigt -6°C an
-
DER HIMMEL IST KLAR UND ICH
HOFFE AUF WEITERE TEMPERATURABNAHME
-
5.30 Uhr Bewölkung zieht auf, die Temperatur
steigt auf -5°C
-
ICH DENKE AN MEIN WARMES
BETT; UND DARAN; DAß ICH EXTRA VON MÜNCHEN NACH HAUSE GEFAHREN BIN.
-
Telefonat mit unserem Mitarbeiter um die
Eisweinlese abzusagen. Sein Thermometer zeigt in 8 km Entfernung bei
unbewölktem Himmel –8°C an.
-
ICH KONTROLLIERE ERNEUT DAS
THERMOMETER. –5°C
-
6.15 Uhr Fahrt nach Hause, denn mind. –7°C
haben wir leider nicht erreicht. Wenn ich Glück habe, kann ich noch eine
Stunde schlafen.
-
An diesem neuen Tag sagt der Wetterbericht
wieder bis –7°C für die Nacht voraus.
-
8.30 Uhr Blick in die Wettervoraussagen im
Internet.
-
Was ich da sehe läßt meine
Hoffnung steigen
-
Mittwoch 9. Dezember 03
-
Nächster Morgen 4.45 Uhr Fahrt in den Weinberg
um die Temperatur zu messen.
-
!!!!!Freudenschrei
beim Blick aufs Temperaturmessgerät. –7.2°C!!!!!
-
WAS FÜR EINE HERRLICHE NACHT !!!
-
5.15 Uhr Telefonat mit Esther, damit sie unsre
freiwilligen Helfer aus dem Bett klingelt. Für fast alle ist es die erste
Eisweinlese.
-
6.00 Uhr Gerhard, Heinrich und zwei weitere
Mitarbeiter fahren mit mir vom Hof um im Weinberg etwas Licht zu machen.

-
6.15 Uhr Treffen die anderen Helfer ein
Das Ernten der gefrorenen Trauben macht uns
allen sehr viel Spaß und obwohl die Temperatur auf jetzt –8°C gefallen ist,
herrscht keine Spur von Kälte unter uns. Die gefrorenen Trauben werden in die
Eimer geschnitten, und von dort in einen großen Behälter umgefüllt.

Ein schönes Erlebnis war das sanfte und leise
herunterrieseln des Eises von den Ruten während des Schneidens.
meu
Um ca. 7.30
Uhr haben wir 2/3 der Trauben geschnitten, die Morgendämmerung bricht an und
der erste „Herbster“ muß uns wegen einem Arzttermin verlassen.

Schade, denn seit einigen Minuten dreht sich das
Gespräch um warmen Tee, Kaffee und Frühstück.
Um 8.00 Uhr ist es hell und wir sind mit der Eisweinlese fertig. Ein
gutes Gefühl stellt sich ein.
Wir verlassen unser Grundstück mit dem Namen „Einpflänzle“,
dass uns diese tollen Trauben beschert hat.
Zu Hause angekommen müssen die Trauben jetzt
sehr schnell verarbeitet werden, damit sie gefroren abgepresst werden.
Bei der Qualitätsbestimmung reicht unser
Messgerät ( Refraktometer ) nicht aus, weil wie erhofft der Zuckergehalt über
150° Oechsle liegt. Nachdem wir den Most zur Messung im Glas verdünnt haben registrieren
wir für das Kellerbuch 165° Oechsle.

Nun liegt der Saft im Keller und wird unter
Beobachtung vergoren. Das tägliche Kontrollieren und Probieren unseres ersten
Eisweins macht richtig Spaß.
Durch diesen Bericht erhielten sie einen kleinen
Einblick um Zittern und Bangen des ersten Eisweines vom Weingut Schaffner.
Damit aber nicht nur wir etwas von diesem
außergewöhnlichen guten Tropfen haben, können Sie ihn ab dem nächsten Jahr bei
uns erhalten. Freuen Sie sich mit uns darauf.
Esther und Thomas Schaffner
Vielen Dank allen Helfern und Herbstern, die uns an diesem schönen Morgen
unterstützt haben.
Ihr ward und seid spitze.
Heinrich (Papa)
Gerhard Eva (Praktikantin)

Martine
Dagmar

Matthias
Esther
Thomas

dieses Blümchen hat den Frost und den Traktor überlebt